Ob die Pflaumen- und Zwetschgenbauern im Kreis Böblingen auch künftig gute Ernten einfahren werden, steht auf der Kippe. Das Umweltbundesamt hat die Zulassung von „Insegar“, des einzigen Pflanzenschutzmittels gegen den Schädling „Pflaumenwickler“, nicht verlängert. Der Böblinger Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger hat sich daher an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gewandt.

„Es ist hochproblematisch, dass das Umweltbundesamt seine zur Verlängerung notwendige Zustimmung nicht erteilt hat“, erklärt Binninger, nachdem die Zulassung für das Mittel 2015 ausgelaufen ist und ein alternatives Pflanzenschutzmittel derzeit nicht zur Verfügung steht. „In anderen europäischen Ländern darf das Mittel aber angewandt werden. Letztlich droht so den hiesigen Obstbauern ein hoher Ernteverlust, während gleichzeitig Pflaumen und Zwetschgen aus anderen EU-Staaten importiert werden. Das ist widersinnig.“

Einzig eine Notfallzulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermöglichte in 2015 und 2016 die weitere Anwendung von „Insegar“. Solche Notfallzulassungen können aber nur jährlich und kurzfristig erteilt werden. „Die Planungssicherheit der Obstbauern geht verloren, außerdem sinkt die Investitionsbereitschaft, wenn nicht klar ist, wie es in den kommenden Jahren weitergeht“, kritisiert Binninger, der Bundesumweltministerin Hendricks deshalb um eine Stellungnahme gebeten hat. „Denn“, so Binninger „solange es kein alternatives Mittel gibt, ist der derzeitige unklare Zustand nicht vertretbar. Das Umweltbundesamt ist im Geschäftsbereich der Bundesumweltministerin. Sie muss jetzt aktiv werden.“

Im Kreis Böblingen sind insbesondere die gewerblichen Obstbauern in der Region um Herrenberg betroffen. Die einzige Alternative zu „Insegar“ ist die biologische Schäd-lingsbekämpfung. Möglich ist dies aber nur auf großen Plantagen, jedoch nicht in kleineren Gebieten wie dem Gäu. Der sog. „Pflaumenwickler“ befällt Pflaumenbäume zweimal pro Jahr. Insbesondere durch den zweiten Befall sind große Teile der Ernte gefährdet. Insegar stellt für Menschen keine Gesundheitsgefährdung dar.